Open-Video und Mozilla

Schon seit Längerem ist Mozilla daran interessiert, Webentwicklern die Möglichkeit zu bieten, Audio und Video in Websites einzubinden, so wie es schon seit Ewigkeiten möglich ist, Bilder einzubinden, ohne ein zusätzliches Plugin einfach mit einem Tag wie <audio> oder <video>. Plugins sind ein Fremdkörper im Browser, nicht nur dass der Browser dem Plugin die Kontrolle über einen bestimmten Bereich übergeben muss, Plugins können auch nicht mit anderen Webtechniken interagieren, sei es JavaScript oder HTML. Das wurde auch von anderen WHAT-WG-Mitgliedern so gesehen, und HTML5 wurde tatsächlich ein Audio/Video-Element spendiert.

Jetzt wäre es natürlich zu schön, um wahr zu sein, wenn die Geschichte mit dieser Einigung hier enden würde. Selbstverständlich ist alles viel komplizierter, wenn es um Video geht sowieso. Zunächst einmal muss man sich für einen Codec entscheiden, aber das sollte ja nicht so schwer sein, man nimmt einfach den effizientesten, schließlich geht es ums Web und da muss man Bandbreite sparen — oder?

An dieser Stelle kommen Patente ins Spiel. Der MPEG4-Codec H.264 würde sich eigentlich für diesen Zweck anbieten, das Problem ist nur: H.264 ist massiv patentbeladen. Mann muss zahlen, um den Codec verwenden zu dürfen, das aber ist für ein Open-Source-Produkt extrem problematisch. Selbst wenn Mozilla die Geldreserven hätte, die Lizenzgebühren zu zahlen, wäre es nicht möglich, Firefox gemäß der GPL, LGPL oder der MPL zu modifizieren und weiterzugeben — defacto also inakzeptabel für das Mozilla-Projekt.

Da H.264 derzeit der effizienteste Codec ist, muss alles andere ein Kompromiss sein, und als sich Mozilla dafür entschieden hat, nicht H.264 sondern Ogg Theora als Codec zu verwenden, war man sich dessen auch bewusst. Theora ist zum einen noch nicht so weit entwickelt wie H.264 und zum anderen noch nicht so weit verbreitet. Es ist ein bisschen wie das Henne-Ei-Problem. Solange ein Codec nicht weit genug verbreitet ist, erstellt niemand Inhalte dafür. Solange es aber keine Inhalte gibt, interessiert sich auch niemand für den Codec.

Hier wiederum kann Mozilla seine Stärke ausspielen. Wenn ein Codec im Firefox integriert ist, bekommt er auf einen Schlag eine Reichweite, von der 99,9% der Plugins nur träumen können. Aber Mozilla hat als kommerziell/gemeinnütziges Free-Software-Projekt auch genügend finanzielle Reserven, um den Codec technisch zu unterstützen.

Und das ist heute die News: Mozilla spendet $100.000 an die Wikimedia-Foundation, um die Entwicklung des Theora-Codecs und entsprechender Encoder und Player voranzutreiben. Schon länger steht fest, dass Firefox 3.1 mit integriertem Theora-Codec ausgeliefert wird (wie auch die neue Opera-Version). Das ist ein wichtiger Schritt, Wikimedia als Stiftung hinter Wikipedia ist darum bemüht, Theora als freies Video-Format in der Wikipedia zu etablieren. Wenn die am vierthäufigsten besuchte Seite des Internets seine Video-Inhalte in Theora ausliefert, ist das ein großer Schritt. Solche Dinge haben die Angewohnheit, eine Eigendynamik zu entwickeln, und ich wäre nicht überrascht, wenn sich in einigen Jahren Theora als Standard-Format im Internet durchsetzen würde.

Mozilla ist inzwischen in einer Position, die es erlaubt, Einfluss zu nehmen, auf die Richtung, in die das Internet steuert. Es wird Zeit, dass diese Macht von einer gemeinnützigen Organisation ausgeübt wird, zum Vorteil aller Menschen und nicht einiger weniger Konzerne.

2 thoughts on “Open-Video und Mozilla”

  1. Hi!
    Hm, das mit Wiki ist ein interessanter Schritt- ich befürworte ihn. Danke für diese Ausführungen, fand ich sehr interessant. 🙂
    Die Geldreserven für h.264 hätte Mozilla denke ich schon gehabt (*geraten* keine Ahnung was es kostet- lasse mich gerne korrigieren), aber so sehe ich das Geld besser angelegt.

    Grüße,
    Amboss

    Ps.: Schickes neues Design!

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