Löwen und Lämmer

Gestern war ich mit einem Freund im neuen Film von Robert Redford “Von Löwen und Lämmern” oder passender “Lions for Lambs”. Wer ihn noch sehen möchte, sollte jetzt aufhören zu lesen, es folgen Spoiler.

Eins vorweg: Umgehauen hat mich der Film nicht. Das liegt vor allem auch daran, dass sich Redford nicht so ganz für eine Linie entscheiden kann. Ganz besonders sauer sind mir zwei Szenen aufgestoßen:
1. Die Szene, in der Tom Cruise noch einmal mit allem Charisma in einer Totalen und mit pathosbeladener Musik den 11. September zelebrieren darf und dabei absolut glaubwürdig wirkt. Da fehlt mir die kritische Distanz.

2. Die Szene mit den beiden Soldaten zum Schluss. Warum müssen die beiden ebenfalls mit bombastischer Musik begleitet nochmal aufstehen, nur um dann erschossen zu werden? Wäre es nicht besser gewesen, sie durch “Friendly Fire” oder eine simple Kugel sterben zu lassen, um nochmal zu verdeutlichen, wie sinnlos der Tod der beiden war? So hatte das etwas heldenhaftes.

Hinzu kommen noch ein paar generelle Punkte:
1. Als zu Beginn Nachrichten über Opfer von Anschlägen laufen, hört man immer nur, dass und wie viele US-Soldaten gestorben sind, keine Zivilen Opfer. Dass darunter vor allem die Zivilbevölkerung leidet und die meisten Opfer eben Zivilisten sind, wird nicht erwähnt. Überhaupt hört man im ganzen Film nicht einmal, dass auch Zivilisten in Afghanistan/Irak sterben, es geht immer nur um die toten US-Soldaten, die – nur zur Erinnerung – an einem Angriffskrieg teilnehmen. Generell kommt das Militär viel zu billig davon.
2. Die Afghanen sind nie als Menschen zu sehen, sondern immer nur als Punkte auf einem grünen Schirm oder als schemenhafte Gestalten, die schießen.
3. Als der Student ganz zum Schluss fragt, was denn Engagement bringen soll, kommt von Redford die Antwort: “Zumindest kannst du sagen, dass du etwas getan hast”, das war soo billig.

Ich hab die blöde Angewohnheit, immer zuerst alles zu kritisieren, was mir negativ auffällt und dann auf die positiven Dinge einzugehen, die das ganze relativieren: Die Medienwelt wird ziemlich schonungslos dargestellt. Wenn ein Seifen- und Glühbirnenhersteller einen Nachrichtensender übernimmt, kommt es eben nicht mehr auf die Qualität der Nachrichten an, sondern auf die Quote und damit Geld, es ist naiv zu glauben, dass das keine Auswirkungen hätte. Da kann Brittney Spears auch schonmal wichtiger sein, als ein zweites Watergate. Die Politik bekommt aber auch einiges ab: Offenbar sind nicht alle Politiker korrupt und zynisch, nur inkompetent und machtgeil, nicht alle – natürlich.

Der Film richtet sich direkt an eine Generation, die in der Tat deutlich apathischer ist, als die Vorgänger-Generation, gerade in den USA. Todd, der Student, steht hier repräsentativ für die eigentliche Zielgruppe des Films und Redford redet 90 Minuten auf sie ein. Mann kann nur hoffen, dass er Erfolg damit hat, in einer Szene sagt er: “Die rechnen mit euerer Apathie, darauf baut ihre Strategie”, das hätte ruhig noch deutlicher gemacht werden können. Ein Vergleich: Wer übergewichtig ist, muss einsehen, dass er nur abnehmen kann, wenn er weniger Kalorien zu sich nimmt, als er täglich verbraucht. Die meisten Diät-Bücher versuchen das schön zu verpacken, aber die Realität ist nunmal hart und da hilft kein Atkins und keine Weight Watchers. Genauso ist es mit dem Engagement: Wenn du mit der Situation nicht einverstanden bist, dann kriegst du entweder deinen Hintern hoch und arbeitest auf eine Veränderung hin oder die Situation bleibt eben wie sie ist. Vom Fernsehsessel aus kann man nichts verhindern, da kann man noch so viele Dokumentationen schauen.

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