Brüssel/FOSDEM-Nachlese

Hier ein kleiner Nachtrag zur FOSDEM am Wochenende.

Ich glaube, Brüssel sieht so aus, wie man sich Paris vorstellt, bevor man es zum ersten Mal wirklich sieht: Teilweise heruntergekommen, schäbig, dann mit kleinen Gassen, die einen eigenen Charme haben und vor allem auch großen Plätzen. Es gibt ja gewisse Ähnlichkeiten mit Göteborg. Beide Städte haben Gebäude, die sehr alt aussehen. Nur gibt es einen Unterschied: In Brüssel ist das meiste fake. In Göteborg hat es in den letzten Jahrhunderten keinen Krieg gegeben, was die alten Gebäude erklärt, Brüssel dagegen wurden mehrfach zerstört – nicht nur von deutschen Truppen. Was nach dem ersten Weltkrieg übrig geblieben war, wurden dann im zweiten endgültig erledigt.

Ich muss zugeben, Brüssel ist größtenteils wirklich hässlich, vor allem das European Quarter mit den Gebäuden der EU hebt sich hierbei ab. Ein Blick auf die Karte verrät: Hier wurde offenbar ein ganzes Viertel von Brüssel einfach abgerissen und neu aufgebaut, im Stil amerikanischer Städte mit schachbrettartigen Straßen. Das alte viertel von Brüssel hat zwar wirklich einen gewissen Charme, allerdings fühlt man sich schon bald wie in einem Themepark von Disneyland, alles wirkt so unecht und extra für Touristen aufbereitet.

Im Grunde macht das die FOSDEM aber nur umso spezieller. Die Konferenz findet nicht auf Hawaii und nicht mal in Paris statt, sondern in einer wirklich hässlichen, extrem unscheinbaren Stadt und trotzdem finden sich dort jedes Jahr Tausende Gleichgesinnte ein, tendenz steigend. Auch dieses Jahr war die FOSDEM wieder extrem interessant, mit vielen intelligenten Leuten und spannenden Talks. Aber für mich ist das Treffen mit anderen Mozillianern eigentlich das interessanteste an der ganzen Sache. Die Menschen, mit denen man sich tagtäglich unterhält auch mal wirklich zu sehen und gemeinsam zu Essen (dank der Großzügigkeit Mozillas), das würde mir ohne FOSDEM wirklich fehlen. So sehr man sich inzwischen auch ans Online arbeiten gewöhnt hat, die persönliche Komponente spielt eben doch eine Rolle.

Außerdem ergeben sich so Situationen, die man Online nie hinbekommt: Als ich mich am Sonntag zum Frühstück an den Mozilla-Tisch setzte, saß neben mir Simon Montague und gegenüber Gerv Markham. Simon ist Jude aus Israel und Gerv evangelikaler Christ aus England. Als ich mich dazusetzte, war es also perfekt 🙂 Es hat dann auch nicht lange gedauert, bis Gerv ein besonders sensibles Thema angesprochen hat. Simon war auch mein room mate (Zimmernachbar?). Jetzt weiß ich, dass auch Juden drei Mal täglich beten, eigentlich gar nicht so anders als Muslime.

Die FOSDEM ist wirklich ein Glücksfall für uns, so hatte ich auch die Möglichkeit, einmal zu sehen, wie andere Lokalisierungsteams arbeiten und in der Hinsicht haben wir in Deutschland wirklich noch einiges aufzuholen. Als ersten Schritt sehe ich unsere neue Website an, dann sollten wir versuchen, unsere etwas verstreute Community in Deutschland zusammenzubringen, wie es in Polen und in Frankreich schon seit längerem mit Erfolg gemacht wird.

Dieses Wochenende bin ich aber erst einmal in Deutschland. Endlich wieder gutes Essen bei meiner Mutter und Schlafen im eigenen Bett. So klasse auch die sonstige Ausstattung hier ist, das Bett ist eine Katastrophe.

5 thoughts on “Brüssel/FOSDEM-Nachlese”

  1. Du bist lustig. Erst recherchieren, prüfen, dann schreiben!!!
    Hast Du in Sachen Geschichte irgendetwas durcheinandergabracht? Die letzten Kriegszerstörungen gab es in Brüssel im 17. Jahrhundert.

    PS: Häßlich ist Brüssel wirklich nicht.

  2. Wenn mein Reiseführer das sagt, reicht mir das normalerweise. Dann gehe ich nicht noch einmal in die Bibliothek, um die Geschichte von Belgien/Brüssel zu recherchieren. Und ob es hässlich ist oder nicht ist ja wohl noch Geschmakssache. Wenn ich es mit einigen anderen Städten vergleiche, ist Brüssel hässlich und die EU hat einen maßgeblichen Anteil daran.

  3. Du kennst Brüssel nicht. Mir ist’s wurscht, aber diese Art von Hobbyjournalismus in Blogs geht mir kräftig auf die Nerven.

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