13. Tag: 70er revival

Schweden tragen die Brust offen – wie in den 70ern. Nein, wirklich! Ich würd’s nicht schreiben, wenn mir das nicht so erstaunlich oft aufgefallen wäre, und damit meine ich übrigens nicht die Frauen hier. Während ich das Gefühl habe, im stehen zum Eiszapfen zu werden, laufen die Schweden hier tatsächlich mit offener Brust rum. Außerdem gibt’s hier auch noch diese 70er-Jahre Mützen, mit den Ohrwärmern, die dann als Zopf herunterhängen, für die man bei uns inzwischen auf der Schule verprügelt wird (nein, das Kleidungsstück wird einem ausnahmsweise nicht geklaut). Und erinnert sich noch jemand an die Kopfhörer, die in den 80ern jeder an seinen Walkman angeschlossen hatte, mit großem Bügel und Ohrmuscheln? Nunja, hier sind die enorm beliebt. Alles ein bisschen merkwürdig, aber vielleicht gewöhn’ ich mich ja noch dran. Wenn ich also demnächst mit offener Brust, Strickmütze und Riesenkopfhörern auftauche: nicht wundern, ist ganz normale Integration 🙂

Achja, heute hatte ich auch meine erste Übung. Man stelle sich vor: ein großer Raum, voller schwedischer Studenten (und eine Studentin), die alle nur Schwedisch sprechen, und ich sitze da und verstehe kein Wort, irgendwie ein komisches Gefühl, ich muss unbedingt so schnell wie möglich diese Sprache lernen. Im Grunde ist es hier ja mit Englisch kein Problem. Als wir Gruppen bilden sollten, sagte ich einfach, dass ich kein Schwedisch spreche, einer sagte dann “no problem” und alle wechselten zum Englischen. Es ging übrigens darum, in einem HTA-Diagramm abzubilden, wie man bei einem bestimmten Wecker Uhrzeit und Datum einstellt und dann den Wecker so zu modifizieren oder neu zu designen, dass diese Aufgabe benutzerfreundlicher erledigt werden kann (theoretisch, im HTA-Diagramm). Jedenfalls lief das meiste auf Englisch ab, aber ab und an unterhielten sich die Gruppenmitglieder untereinander halt in Schwedisch und wenn dann die ganze Gruppe lacht und man hat keine Ahnung warum, bleibt man außen vor und merkt, dass man nicht wirklich dazugehört.

Andererseits hab ich dann unser Design vorgetragen und verteidigt und damit wenigstens das getan, wofür ich hier bin: Englisch sprechen.

2 thoughts on “13. Tag: 70er revival”

  1. Das spontane wechseln von Englisch auf Schwedisch und vice versa ist hier so eingebübt, die machen es auch manchmal unbewusst und keinem fällt es auf. Als ich hier damals anfing, waren, wir 2 nicht-Schweden, daher fing die Vorlesung auf Englisch an, als dann einer der Studis nach der Pause etwas auf Schwedisch fragte, fuhr der Dozent einfach auf Schwedisch fort und keinem der Schwedischen studenten ist es glaube ich aufgefallen. Nur wir nicht-Schweden haben uns dumm angeschaut. Nach etlichen Minuten hat dann einer den Dozenten drauf hingewiesen, woraufhin er wieder ins Engl. überging und sich abermals entschuldigte. Die haben es einfach drauf, dank auch dem Fernsehen. In Deutschland hat man es nicht so mit Sprachenwechsel auf Kommando. Leider…

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