12. Tag: Das Pub-Quiz

Weiß jemand, was ein Pub-Quiz ist? Ich wusste es nicht und ließ mich vom Exchange Student Service überraschen. Wir trafen uns also an einer Haltestelle und machten uns gemeinsam auf dem Weg in den Pub. Dummerweise war dieses aber recht klein und ziemlich voll (vor allem, nachdem wir noch dazukamen), denn normalerweise – so haben wir später erfahren – muss man schon um 4.30 Uhr da sein, um noch einen Sitzplatz zu bekommen. Wir waren um 6.00 Uhr da, das heißt: kein Sitzplatz. Das Quiz beginnt übrigens immer um 7.30 Uhr. Das sollte schon einiges über die Beliebtheit aussagen. Das stehen hat sich aber gelohnt, ich hab einen Niederländer und einen Schweden kennen gelernt. Der Schwede war gerade 20 und konnte tatsächlich mehr als acht Sprachen, darunter auch Deutsch – und Chinesisch. Da wir zwei Stunden stehen und warten mussten, hatten wir viel Zeit zu sprechen. Er, nennen wir ihn J., war schonmal für ein paar Monate als Austauschschüler in Deutschland auf einem Gymnasium im Raum Stuttgart. Es ist schon komisch, von einem Schweden in einem englischen Pub in einem extrem breiten schwäbischen Dialekt angesprochen zu werden.

Jedenfalls wird J. diesen Herbst nach Deutschland kommen, um als Erasmus-Student in Heidelberg zu studieren und auch an einer deutschen Schule zu unterrichten. Als ich ihm davon erzählte, dass wir in Deutschland die Vorlesungen nur einmal in der Woche haben, konnte er das kaum glauben. Als ich ihm dann noch erzählte, dass wir keine Pause zwischen den 90 Minuten machen, muss er mich für völlig bescheuert gehalten haben, jedenfalls legte sein Gesichtsausdruck das nahe, ach, und die Bemerkung: “Und in solch einem Land will ich studieren!”. Selbst der Holländer konnte kaum glauben, dass wir in Deutschland tatsächlich versuchen, über 90 Minuten konzentriert zu arbeiten – mit Betonung auf versuchen. Ich hab mich inzwischen sehr an diese Pausen gewöhnt. Es ist einfach unglaublich, was für einen Unterschied das macht. Es muss doch auch für den Dozenten eine Qual sein, ein Publikum 90 Minuten ohne Pause bei Laune zu halten.

Achja, das Pub-Quiz. Um Punkt 19.30 stellt sich der Bar-Keeper in die Ecke des Pubs und startet das Quiz. Dabei bilden die Leute im Pub Gruppen von maximal vier Personen, denn genauso viele Preise gibt es zu gewinnen. Dann werden Listen verteilt, auf denen es drei Spalten und 26 Reihen gibt. Die Überschriften: Frage-Nr., Punkte, Antwort. Der Bar-Keeper stellt also 26 Fragen aus allen Möglichen Gebieten, die es als Gruppe zu beantworten gilt (Handies müssen vorher ausgeschaltet werden) . Eine Kostprobe der Bandbreite:
Frage 1: Wie lauten die Initialen von Pamela Anderson in  der Serie Baywatch?
Frage 15: Wieviele Premierminister hatte England in den 90er Jahren?

Das ganze macht einen Heidenspaß, und man sollte es unbedingt mal mitgemacht haben. Wir haben genau 11 Fragen beantworten können und leider nicht gewonnen. Die Antworten sind übrigens C.J. und 3.

7 thoughts on “12. Tag: Das Pub-Quiz”

  1. Der Holländer konnte das kaum glauben? Seltsam…

    Ich habe neben meinem Job vor zwei Jahren noch ein Zusatzstudium (Lehramtsbefähigung) an http://www.uva.nl abgelegt, und da gab es nur Blockseminare (also keine reine Vorlesung, sondern Mischung von Vorlesung und Gruppenarbeit) von 2×90 min. Und an den weiterführenden Schulen hier gibt es für 12- bis 16-jährige auch erst Pausen nach 2×45 min ohne Pause dazwischen.

  2. Aus Berlin kenne ich das Fritz Kneipen-Quiz. Es wird in regelmäßigen Abständen vom Radiosender Fritz bzw. Tommy Wosch veranstaltet. Funktioniert ähnlich wie das Pub-Quiz, läuft allerdings über das Radio und findet jede Woche in einer anderen Kneipe statt. Das Prinzip ist Moderatorenteam + 2 Anrufer vs. Kneipe. Die Tischgröße ist nicht beschränkt, der beste Tisch gewinnt eine Freirunde. Die Kneipen mit dem besten Schnitt treten am Ende der Staffel gegeneinander an. Das Beste ist, dass es live im Radio übertragen wird und man das Ganze so zuhause verfolgen kann 🙂

  3. Na, das würde ich nicht als Vorteil bezeichnen, die Stimmung im Pub war jedenfalls ausgezeichnet, auch wenn die meisten stehen mussten, außerdem hab ich dort besagten schwedischen Studenten kennen gelernt 🙂

  4. Aber in Berlin gibt´s nicht nur das Fritz Kneipen-Quiz. Man kann doch so gut wie jeden Tag irgendwo quizzen. Ich gehe am liebsten montags zum PubQuiz ins Celtic Cottage. Da spielt man zwar nicht gegen andere Kneipen, aber dafür gegen eine Menge anderer Teams. Ich finde Kneipenquizze echt ziemlich geil!

  5. In Münster sind die verschiedenen Kneipen-Quizze in einer Liga vernetzt. Es gibt jede Woche ein Quiz in einer anderen Kneipe (insgesamt vier, darunter natürlich auch ein Pub). In der letzten Halbjahresliga haben insgesamt über 80 Teams teilgenommen, pro Monat machen ca. 350 Leute an den unterschiedlichen Quizzen mit. Gespielt wird in Tischgruppen verschiedener Größe, über 6 Teilnehmern gibt es allerdings Punktabzüge. Eine vorherige Anmeldung in den Kneipen ist allerdings absolut empfehlenswert. Preise gibt es jeweils für Abendbesten und für die ersten 20 Teams nach Ligaabschluss. Meistens werden die Fragen von mehreren Quizmastern gestellt, getragen wird die Liga gemeinsam von 10 Quizmastern.

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