11. Tag: gute Uni, böse Uni

Oh mein Gott, ich hänge noch viel weiter zurück, als ich angenommen hatte. Heute hatte ich meine erste Vorlesung. Vom Stil her war die Vorlesung nicht besser als in Deutschland, vielmehr kenne ich in Duisburg/Essen Profs, die einen mit einer Vorlesung wirklich mitreißen können. Das Problem dabei: Keiner schafft das über 90 Minuten konstant, die Aufmerksamkeitsspanne des Menschen reicht dazu einfach nicht. Ich bin ja deswegen schon seit meiner ersten Veranstaltung dafür, in Vorlesungen und Seminaren eine Pause einzulegen. Hier wird das gemacht! Nach 45 Minuten gibt’s 15 Minuten Pause. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, spätestens nach all den Ergebnissen, die die Psychologie dazu geliefert hat, aber in Deutschland wird sich das sicher trotzdem nicht so bald ändern.

Auch auf die Gefahr hin, zu romantisieren: Hier ist an der Uni ist wirklich alles besser als in Deutschland (oder zumindest Duisburg/Essen), es gibt nichts, was ich aus Deutschland importieren wollen würde. Ein sehr schönes Detail: Überall auf dem Campus und insbesondere vor Hörsälen/Seminarräumen gibt es Sitzgruppen und Räume für Gruppenarbeit oder um sich einfach hinzusetzen und zu lernen. Das wirkt einfach einladend und macht die Uni gemütlicher und freundlicher. Wenn ich in Duisburg/Essen mit Kommilitonen zusammen an etwas arbeiten möchte, muss ich in die Bibliothek (zu leise) oder in die Cafeteria (zu laut), die Gänge der Unis sind kahl. Hier dagegen ist auch auf den (breiten) Gängen viel los, weil Tische und Stühle bereit stehen, an denen man gemeinsam zusammensitzen und arbeiten kann. Die Uni wirkt insgesamt sehr gemütlich, da gibt es nicht einen bestimmten Punkt, den ich rausgreifen kann, es ist alles zusammen. Übrigens: Hier in Göteborg sind insgesamt 50.000 Studenten eingeschrieben und keiner zahlt Studiengebühren.

Also, entweder sind die Universitäten in Duisburg und Essen unglaublich schlecht, oder die Uni hier ist tatsächlich so gut. Sicher haben andere an anderen Unis in Deutschland andere Erfahrungen gemacht, deswegen ist es auch bestimmt nicht richtig zu generalisieren, ich kann eben nur mit dem Vergleichen, was ich kenne, und die Uni hier kommt meinem Idealbild schon sehr, sehr nahe. Hier wird das umgesetzt, was ich mir in Duisburg/Essen schon seit langem gewünscht hatte.

Zu ‘was anderem: Heute hatte ich auch meinen erste Schwedisch-Stunde, was witziger ist, als es sich anhört. Die Hälfte der Klasse kommt aus Deutschland (Tyskland) oder Österreich. Der Rest verteilt sich über die ganze Welt: England, Frankreich, Rumänien, USA, China und U’r gay, ich meine natürlich Uruguay. Ich werde allerdings das Gefühl nicht los, dass bei vielen das Interesse an der schwedischen Sprache nicht sooo groß ist. Dafür haben wir den perfekten Lehrer, ein absolutes Original. Mitte 40 und selbst noch Student, ist er offenbar hyperaktiv. Jedenfalls huscht er durch den Raum und über die Tafel, dass man gar nicht anders kann, als ihm zuzuhören. Ich bin sicher, dass wir noch eine Menge Spaß mit ihm haben werden.

4 thoughts on “11. Tag: gute Uni, böse Uni”

  1. Also ich kenne Ähnliches auch aus Aachen. Zwar nicht alle, aber einige Profs machen nach ca. 45 Minuten eine zumindest fünfminütige Pause. Ich empfinde das auch als sehr angenehm.

    Auch gibt es hier überall Tische in den Gängen und vor den Hörsälen, wie in Göteborg.

    Mich würde interessieren, wie andere Unis das handhaben.

  2. Humboldt-Universität Berlin: nichts, keine Sitzplätze in den Gängen, keine offenen Arbeitsräume. Wobei ich hinzufügen muss, dass das vor allem das Hauptgebäude gilt, in anderen Bereichen der Uni halte ich mich derzeit nicht besonders oft auf. Es wurde und wird viel gebaut, daher vermute ich, dass sich die Situation in Zukunft bessern wird. In den neuen und entstehenden Bibliotheken gibt es abgeschlossene Gruppen-Arbeitsräume, für die man auf Anfrage einen Schlüssel bekommen kann.

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