5. Tag: Schrankschlafzimmer, Internet und Musik

Gestern hab ich erfahren, dass mein Nachbar im Kleiderschrank schläft. Ich hatte mich gewundert, warum er zwei Sofas im Zimmer hatte und was aus dem Bett geworden war. Er sagte, dass ihn das Licht im Zimmer beim Schlafen stören würde und er das Bett deswegen in den –begehbaren – Kleiderschrank gestellt hat. Dafür hat er eine große Couch und zwei Matratzen im Zimmer – für Freunde. Er selbst schläft im Schrank.

Tja, Schweden sind also nicht ehrlicher als Deutsche, ich muss mir eine neue Tasche kaufen. Bei der Bibliothek hab ich mich offenbar von der Höhe des Gebäudes täuschen lassen. Ich war nicht im untersten, sondern im obersten Stock, es ging noch 6 Stockwerke in die Tiefe. Morgen werd ich meinen Ausweis abholen, nachdem ich im Sekretariat der Germanistik eine P-Nummer bekommen habe. Ohne P-Nummer läuft in Schweden gar nichts. Das ist hier die persönliche Identifikationsnummer, die jeder Schwede bekommt. Heute hatte ich auch mein Treffen mit Magnus, meinem Erasmus-Korrdinator. Besonders oft bekommt er wohl keine Studenten, ist ja auch nicht unbedingt naheliegend, in Schweden Deutsch zu studieren. Er wird sich darum kümmern, dass ich in einen Linguistik und einen Informatik-Kurs eingeschrieben werde – hoffentlich.

Nun zum wirklich wichtigen: endlich, endlich, endlich! Ich habe wieder einen Internetzugang. Erster Blick in E-Mail- und RSS-Postfach: 160 ungelesene Nachrichten + Spam. Dabei war ich gerade mal vier Tage offline. Es ist ja eine Binsenweisheit, dass man erst dann den Wert einer Sache erkennt, wenn man sie nicht mehr hat, aber obwohl mir das beim Internet schon bewusst war, war mir nicht klar, wie sehr es mir fehlen würde. Praktisch mein halber Tag läuft im Internet ab: Mit Freunden sprechen/chatten/mailen, für die Uni recherchieren, Arbeit erledigen, an Firefox arbeiten, Nachrichten, Radio, Musik. Ohne Internet und ganz besonders ohne Internet in einem fremden Land kommt man sich absolut von der Außenwelt abgeschnitten vor.

Da ich hier kein Radio hatte und auch kein Internet, war ich bei der Musik auf meine eigene Sammlung beschränkt – knapp 1000 Titel. Nach vier Tagen wird’s aber langweilig und man wünscht sich etwas Abwechslung. Mir fiel also die Sharing-Funktion von iTunes wieder ein, mit der man seine Sammlung für andere freigeben und freigegebene Lieder von anderen hören kann. Witzigerweise hatte ich schon eine ganze Weile jemanden in meiner Liste, leider mit nur sehr knapper Auswahl, also hab ich meinen Nachbarn angehauen und der wiederum einen weiteren Freund. Jetzt hab ich noch einmal gute 1,5 Tage Musik, in die ich reinhören kann, auch wenn italienische Schlager nicht unbedingt mein Fall sind (glücklicherweise ist auch andere Musik darunter). Für diese Funktion muss man Apple wirklich beglückwünschen. Sie ist absolut einfach einzurichten, kann keinen Schaden verursachen, macht enorm viel Spaß und je mehr Leute mitmachen, desto besser wird es. Gerade für Studentenwohnheime mit vielen Mietern ideal. Nur etwas mehr Werbung würde der Funktion gut tun.

2 thoughts on “5. Tag: Schrankschlafzimmer, Internet und Musik”

  1. Hej und Salam,

    meine Frau studiert auch Deutsch an der Stockholmer Uni und es ist schon eine komische Sache seine Muttersprache in einem anderen Land zu studieren. Zwar hört man immer wieder “Äh? Du bist doch Deutsche, wieso lernst du Deutsch” Man muss dann erst jedem einzelnen klar machen, dass die nicht die Sprache erlernt, sondern Germanistik studiert. Nebenbei, viele ältere Schweden können noch etwas deutsch, da noch viele Deutsch als Fremdsprache in der Schule hatten und vor nicht allzu langer Zeit war ja Deutsch noch Handelssprache in Schweden….

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