3. Tag: IKEA, gezuckertes Brot und Nachbarn

In Schweden scheint es nur gezuckertes Brot zu geben. Selbst das Schwarzbrot, bei dem ich nicht darauf geachtet habe, war tatsächlich gezuckert. Eigentlich sollte man meinen, dass die Schweden wirklich fett sein müssen, wenn selbst das Brot gezuckert ist, aber merkwürdigerweise ist das Gegenteil der Fall, so komisch sich das anhört, hier scheint es viel weniger Dicke zu geben als in Deutschland. An gezuckertes Brot werde ich mich trotzdem nicht gewöhnen.

Eine andere Sache, die hier wirklich auffällt: Ticketautomaten. Man zieht ein Ticket und wartet, bis die aufgedruckte Zahl aufgerufen wird. Schweden scheinen das zu lieben, die Teile stehen fast überall: Post, Apotheke, Studentenservice und sogar in vielen kleineren Läden. Vordrängler haben es hier also wirklich schwer. Eigentlich ist das auch gar keine schlechte Methode, so muss man nicht sinnlos in der Schlange stehen und kann sich noch etwas im Laden umsehen.

Das IKEA hier in Göteborg liegt ziemlich weit draußen, 25 Minuten mit dem Bus. Es sieht exakt so aus, wie jedes andere IKEA überall auf der Welt und ist genauso perfekt für Studenten, die das Wohnheimszimmer neu einrichten müssen. Nur die Schweden-Werbung spart man sich hier, also: keine Elchnudeln im Restaurant, dafür aber ein nettes Café.

Womit ich als Ausländer hier erst einmal klarkommen muss ist die Sprache. Im Supermarkt gibt es nur Schwedisch und wenn etwas doch mal in einer anderen Sprache auf den Produkten steht, dann in Finnisch oder Dänisch; hilft nicht wirklich, wenn man wissen möchte, was man da gerade kauft. Auch wenn die Leute praktisch alle ein sehr gutes Englisch sprechen, findet man es kaum irgendwo in gedruckter Weise. Selbst in Deutschland gibt es Hinweistafeln oft noch zusätzlich auf Englisch – hier nicht. Dafür sind die Leute unglaublich nett und hilfsbereit, man merkt den Unterschied zu Deutschland, dabei komme ich schon aus dem “herzlichen” Ruhrgebiet.

Heute habe ich meinen Nachbarn kennen gelernt, er heißt Gabrielle und kommt aus Italien. Ihm hat es hier so gut gefallen, dass er ein zweites Semester angehängt hat. Er studiert Wirtschaft, eigentlich in Florenz. Er hat mich ein paar anderen Erasmus-Studenten vorgestellt und dank ihm weiß ich jetzt auch, wo die Waschmaschinen stehen, das Local Office und der Common Room. Jeden Raum muss man im Voraus im Computer buchen, was ich schon etwas asozial finde. Da hier jeder eine eigene Küche hat, gibt es kaum Gelegenheiten, bei denen man mit anderen Studenten zusammen kommt. Durch das Buchen im Voraus kann man sich also nicht mal einen zünftigen Streit um die Waschmaschine mit andern Schweden liefern. Dank Gabrrielle – ja das ist im italienischen ein männlicher Name, wie auch Andrea – weiß ich jetzt, dass Erasmusstudenten ein eigenes Café haben, das Café Olof. Morgen oder übermorgen wollen wir zusammen hingehen.

Leider hab ich von ihm auch erfahren, dass die Vorlesungen bereits letzte Woche begonnen haben, im Grunde bin ich also schon zu spät. Dass ich noch gar nicht weiß, in welche Kurse ich aufgenommen werde, macht die Sache nicht einfacher. Am Dienstag hab ich das Treffen mit meinem Erasmus-Koordinator, hoffentlich weiß er, was los. Bei uns läuft in der ersten Woche ja meist gar nichts, ich hoffe mal, dass das hier auch der Fall ist.

Ein Problem dieses Studentenwohnheims ist, dass es recht weit draußen liegt. Ich muss also täglich mit der Bahn fahren, dabei wird einem aber klar, dass die Statistiken nicht lügen: Schweden müssen wirklich Weltmeister im Mobiltelefonieren sein, jedenfalls hat zu jedem beliebigen Zeitpunkt mindestens jeder zweite im Bus oder in der Bahn ein Handy am Ohr.

4 thoughts on “3. Tag: IKEA, gezuckertes Brot und Nachbarn”

  1. Ticketautomaten gibt’s am Samstag auch in Holland, da es hier noch viele kleine Läden gibt und nicht immer 30 Leute beim Metzger oder Gemüsehändler reinpassen. Und wenn bei der Post auch 40 Nümmerchen vor einem stehen, probiert man schnell noch im Tante Emma Laden das Waschpulver und die Eier zu kaufen. Manchmal gehen zu viele zwischendurch einkaufen, dann rauschen die Nummern durch, und man kann von vorn anfangen 🙁 …

  2. Erinnert mich alles sehr an meine Zeit in Göteborg 2002/3. Habe mich seit dem an das Brot gewohnt und verschicke es auch regelmäßig an meine Eltern, die es lieb gewonnen haben. Ungezuckert schmecht mir hier nichts mehr. Aber die Amis sind ja in solchen Sachen noch eine Spur strickter. Freue mich auf weitere Posts, da wird es bei mir sehr nostalgisch 🙂

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