1. Tag: Abflug, Ankunft

Am Flughafen, vor dem Abflug: Ich hab etwa 10 Kilo zuviel, aber dafür gar kein Handgepäck, trotzdem werde ich gezwungen, das Übergewicht in einer seperaten Tasche mitzunehmen. In der Maschine sitzen dann gerade 9 Leute, kaum einer hat Gepäck. Man sollte das doch mehr oder weniger flexibel halten können. Worin besteht der Sinn, mir die 10 Kilo mehr zu verwehren?

Die Maschine, mit der wir fliegen ist winzig. Ich hab noch nie so ein kleines Flugzeug gesehen. Der Flug ist ruhig. Ich bin todmüde und bekomme gerade noch den Sonnenaufgang mit, der über den Wolken einfach atemberaubend ist.

Der Landvetter-Flugahfen ist ebenfalls winzig. Gerade einmal zwei Bänder hat der Flughafen. Auf dem Weg in die Stadt sehe ich die üblichen Verdächtigen: Burger King und Co. Ich muss also nicht verhungern, wenn ich nicht auf Elch-Fleisch stehe.

Vom Hauptbahnhof nehme ich ein Taxi. Der Fahrer kommt aus dem Iran. Wir unterhalten uns also in Schweden auf Englisch über das türkische Demokratie-Defizit. Er verabschiedet mich auf Türkisch.

Angekommen beim Student Exchange Service werde ich noch im Taxi angesprochen. Die nette Dame erwartete jemand anderen, begleitet mich aber ins richtige Büro. Der Mitarbeiter dort hat nicht nur Ahnung, wovon er spricht, sondern ist auch noch ausgesprochen freundlich. Ich hab wirklich das Gefühl willkommen zu sein. Er zeigt mit den Weg mit der Bahn zum Studentenwohnheim.

Die Reise mit der Bahn durch Göteborg ist interessant. Nach der quirligen Innenstadt beginnt die Zone der Industrie, ich fühle mich fast wie in Duisburg. Dann wird ländlicher und ich steige aus. Die Bahn fährt weiter und gibt eine rieseige Wohnanlage frei, vermutlich Sozialwohnungen. Mein Wohnheim liegt glücklicherweise auf der anderen Seite. Es ist ein Neubau. So neu, dass ich das Schloss nicht verstehe. Erst als eine andere Gruppe rauskommt, komme ich rein. Später erfahre ich, dass die Tür mit der Chipkarte geöffnet wird, nicht mit dem Schlüssel, überhaupt ist diese Chipkarte ein unheimlich wichtiges Utensil, doch dazu später mehr.

Das Zimmer selbst ist fantastisch. Es ist sicher mindestens 25 qm groß, verglichen mit 12 qm in Deutschland. Es hat ein eigenes Bad und eine Küche ist auch vorhanden. Der Clou: Der begehbare Kleiderschrank. Es gibt so viele kleine Schränke, dass ich gar nicht weiß, was ich da alles reintun soll. Ein Bett ist vorhanden, aber keine Decke/Kissen, ein Sofa, ein Tisch mit zwei Stühlen, ein Deckenfluter und ein Bücherschrank. Als ich kurz weg bin, kommt noch ein Couchtisch dazu.

Ich hätte zwar das Erasmuspaket bekommen können, mit Decke/Kissen, Küchenutensilien und Co., aber nicht nur dass es etwa 20 Euro im Monat Miete kostet, es ist auch von ziemlich weit weg abzuholen. Ich entschließe mich also, alles selbst zu kaufen und fahre erst mal in die Stadt. Am Hauptbahnhof hole ich mir eine Monatskarte (30 Tage gültig, 41 Euro) und gehe ins Nordstad – ein Einkaufszentrum, größer als unser Centro, mitten in der Stadt. Das Pizza Hut hier funktioniert wie ein Restaurant, man muss warten, bis man von einem Kellner an seinen Platz geführt wird und kann dann entweder so viel vom Büffet essen, wie man möchte oder etwas von der Karte bestellen. Ich nehme eine Pizza mit Fetakäse, Oliven und Zwiebeln. Das ganze sieht ziemlich edel aus und ich zahlen zusammen mit Knoblauchbrot und zwei Apfelsäften 160 Kronen, stolze 18 Euro. Mir kommt “Demolition Man” in den Sinn.

Dann mache ich mich auf die Suche nach Bettwäsche, mir fällt ein Schaufenster auf, in dem Decken angeboten werden, auf dem Schild steht groß “REA”, also suche ich jetzt im Einkaufszentrum nach dem Laden “REA”. Ich sehe einen Laden mit der Aufschrift REA, aber der Laden bietet Babykleidung an, ein anderer Schuhe, die Bereiche des Ladens sind wohl aufs Einkaufszentrum verteilt denke ich mir. Als ich dann aber den Schriftzug REA bei Esprit sehe, dämmert mir, dass das wohl kein Name, sondern einfach das Wort “Schlussverkauf” ist. Ich finde also einen Laden, bei dem ich Decke und Kissen kaufen kann, Enten-Federn, besonders warm, 100 Euro.

Bevor ich vor Müdigkeit im Laden zusammenbreche mache ich mich auf den Weg nach Hause, hier breche ich zusammen und schlafe von 16.00 bis 21.45. Zuviel, um noch bis 22.00 Uhr im Supermarkt zu sein und ein bisschen einzukaufen. Das Zimmer ist verdreckt, überall liegt eine Staubschicht. Ich muss also mal ordentlich durchwischen. Ich frage mich, ob es hier einen gemeinschaftlich genutzten Staubsauger gibt, das Sofa sieht auch nicht besonders sauber aus.

4 thoughts on “1. Tag: Abflug, Ankunft”

  1. Ah, in Göteborg bist Du. Ist wirklich eine tolle und lebendige Stadt. Auch das Umland ist wirklich sehr schön, wenn auch manchmal etwas dicht besiedelt.

    Wenn Du die Gelegenheit (und ein Auto) hast, würde ich Dir empfehlen, einmal nach Marstrand zu fahren. Ist zwar eine Touristenhochburg, aber wirklich schön. Ruhiger und nicht minder beeindruckend ist es auf Tjörn, wo auch die Besiedlung etwas dünner ist (Tipp: Kyrkesund)

    Die Schweden selbst sind meiner Erfahrung nach stets freundlich und aufgeschlossen.

    >>Das Pizza Hut hier funktioniert wie ein Restaurant, man muss warten, bis man von einem Kellner an seinen Platz geführt wird und kann dann entweder so viel vom Büffet essen, wie man möchte oder etwas von der Karte bestellen.

  2. Hm, da fehlt der Rest meines Kommentars. Wollte noch sagen, dass “All you can eat” bei Pizza Hut überall auf der Welt üblich zu sein scheint, nur in Deutschland offenbar nicht…

  3. Vielen Dank für die Tipps, ich plane gerade, was ich in den nächsten Monaten hier machen möchte. Ein Wochenende in Stockholm ist schon fest eingeplant.

    Übrigens: Weil hier in den Kommentaren etwas HTML erlaubt ist, wird alles nach spitzen Klammern abgeschnitten.

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