Offener Patentkrieg

Wow, das passt so gut. Ich musste gerade für ein Politik-Seminar, das gestern stattgefunden hat, eine Präsentation erstellen, über den Lobbyismus vor und während der Debatte um Softwarepatente hier in Europa. Vielleicht stell ich das in den nächsten Tagen mal hier ein. Nur ein paar Daten und Fakten: Microsoft hatte bis ins Jahr 2000 kaum Patente, es waren ganze 1000 an der Zahl, das mag sich viel anhören, aber in Relation zu anderen war das verschwindend gering. IBM hat 40.000 Patente, Siemens sogar 50.000 und sie melden jedes Jahr 5.000 neue Patente an. Irgendwann nach der Jahrtausendwende muss es Microsoft gedämmert haben, dass ihre einzige Chance gegen Linux auf der rechtlichen Ebene liegt. Seither hat Microsoft seine Patentanemldungen massiv gesteigert, 2002 noch 1000 Patente pro Jahr und inzwischen schon 3000 pro Jahr und 10.000 insgesamt. Hier wird die Perversion des Patentrechts mehr als deutlich. Wie kann eine Firma 3000 oder 5000 neue Erfindungen jedes Jahr anmelden? So innovativ kann man einfach nicht sein. Oder andersrum, wo landen all die neuen Erfindungen von Microsoft eigentlich? Ich erinnere mich nicht, dass diese Firma in den letzten 25 Jahren in irgendeiner Hinsicht etwas neues geschaffen hat. Sie sind zwar mehr oder weniger gut im immitieren, aber etwas neues? Dazu passt auch, dass Microsoft der größte Lobbyist während der Softwapatente-Debatte hier in Europa war. Nichr nur haben sie etlich Verbände gekapert und für eigene Zwecke eingesetzt, es wurden auch Regierungen unter Druck gesetzt, zum Beispiel Dänemark. Dort hatte Micrososft gerade ein IT-Unternehmen gekauft und drohte offen damit, das Unternehmen zu verlagern. Damit hätten sie dem kleinen dänischen IT-Sektor erheblichen Schaden zugefügt. Weiterhin geht um Einladungen zu Ausflügen auf Jachten, gefakte Kampagnen und einiges mehr. Wir können alle verdammt froh sein, dass es letztes Jahr nicht geklppt hat, aber über den Berg sind wir noch lange nicht. Firmen wie Microsoft oder IBM geben so schnell nicht auf.

Noch was am Rande, damit das hier nicht zum reinen Microsoft-Bashing ausartet: IBM macht etwa 1 Millarde im Jahr mit der” Lizenzierung” eigener Patente. Das läuft so: Entweder du hast genug Patente, um ein Cross-Patent abkommen zu schließen oder du überweist in Zukunft einen bestimmten Anteil deines Umsatzes an IBM, die IBM-Steuer.

2 thoughts on “Offener Patentkrieg”

  1. Wenn man sich mal bisschen näher mit dem Thema beschäftigt, kann einem ganz angst und bang werden, wenn man an die Zukunft denkt …

    Microsofts abrupt steigendes Patentportfolie hab ich auch in http://web.oesterchat.com/2006/10/05/gplv3-und-softwarepatente/ angesprochen. Aber gar nicht so seltsam, dass MS vor 15 Jahren von Softwarepatenten Abstand genommen hat. Damals hätten Sie an IBM und Apple viel zahlen müssen, wäre die Welt schon so patentwütig wie heute gewesen.

  2. Florian Müllers Buch ist wirklich jedem nur zu empfehlen, aber noch ein Wort zu Linus: Der Mann ist Multimillionär und kaum noch von einem einzelnen Unternehmen abhängig.

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