Mein Mac, dritter Teil: die Software

Im Grunde genommen kauft man sich ja einen PC nicht, um die Hardware oder das Betriebssystem zu bestaunen, sondern wegen der Programme die darauf laufen sollen. Hier also mein Eindruck von der Software-Szene für Mac OS:

Generell ist der Wechsel der Prozessor-Architektur ein gewaltiger Schritt und man muss Apple wirklich beglückwünschen, dass ihnen das so dermaßen gut gelungen ist, dass man kaum Klagen darüber hört. Trotzdem komme ich an dieser Stelle nicht umhin, anzumerken, dass bestimmte Software einfach noch nicht angepasst ist und deswegen sozusagen mit angezogener Handbremse fährt. Photoshop ist hier das bekannteste und wohl auch größte Problem. Allerdings ist das eine Sache, die hoffentlich bald ausgestanden sein wird.

Bei den meisten Programmen, die bisher auf dem Mac verwendet habe, muss ich wirklich sagen, dass sie nicht nur optisch sehr ansprechend sind, sondern auch einfach funktionieren, so wie man es erwartet und nicht erst nach dem Studium von zehn FAQs und der Hilfe. Allerdings: Während es für Windows und natürlich für Linux kostenlose Software – sei es freie Software oder Freeware – en masse gibt, scheint eine solche Kultur unter Mac OS fast gänzlich zu fehlen – praktisch alles kostet einen haufen Geld. Und während sich Windows-Programmierer mit vielleicht 10 Euro für Shareware begnügen, kostet Mac-Shareware gleich das doppelte. Für einen einigermaßen brauchbaren Texteditor, der einem unter Linux praktisch hinterhergeschmissen wird muss man hier genauso blechen wie für so etwas blödes, wie einen Maustreiber, damit die extern angeschlossene Maus angemessen beschleunigt wird und man sich keinen Krampf mit ständigen ziehen derselbigen holt.

Das ist natürlich ein Nachteil, der daher rührt, dass Mac OS nunmal ein Nischensystem ist. Daraus ergibt sich leider auch, dass bestimmte Software gar nicht für Mac OS zu kriegen ist. Ich habe unter Windows sehr gerne Paint Shop Pro verwendet, aber das läuft unter Mac OS einfach nicht. Viel mehr hat mich allerdings überrascht, dass es gar keinen ordentlichen graphischen CVS-Client zu geben scheint. Das macht mir die Arbeit unnötig viel schwerer, als sie sein müsste.

Die Software aber, die ich am meisten vermisse, ist Picassa. Klar gibt es unter Mac OS mit iPhoto auch eine Bilderverwaltung, aber die ist im Vergleich mit Picassa geradezu lächerlich. Ich habe etwas mehr als 9000 Bilder und damit ist iPhoto schlicht überfordert. Die Geschwindigkeit von Picasssa hat mich schon immer fasziniert, aber erst seit ich iPhoto benutzt habe, weiß ich, wie schnell und intuitiv Picassa ist. Zudem sieht es auch noch sehr ansprechend aus – auch vergleichen mit Mac-Anwendungen. Es ist eigentlich das Programm, das iPhoto hätte sein sollen – sein müssen. Ich wage sogar zu behaupten, dass Picassa momentan die absolut beste Bilderveraltung ist, die zu haben ist: Es kann von jedem verwendet werden, sieht verdammt klasse aus, ist stabil, schnell, intuitiv und kostenlos – was will man mehr? Vor allem hat man aber in Picassa gerade die richtige Anzahl an Reglern, um ein Bild zu korrigieren, mehr braucht’s zum einfachen korrigieren nicht und wer mehr will, wird sicher zu PhotoShop oder PaintShopPro greifen. Was das Programm aber für mich unverzichtbar gemacht hat: Das vergeben von Sternen. Zusammen mit der Geschwindigkeit konnte ich so innerhalb kürzester Zeit aus 600 Bildern die dreißig markieren, die ich behalten und entwickeln lassen wollte. Seitdem ich mit dem Mac arbeite, habe ich viel fotografiert und das hängt nicht zu letzt damit zusammen, dass die Arbeit nach dem übertragen der Bilder auf den Rechner einfach nicht mehr so schnell erledigt ist wir früher, das hemmt einen ganz unbewusst. Mir fehlt Picassa wirklich. ;(

Ich wollte noch etwas über den Mac-Lock-in schreiben, den Apple mit itunes, iPhoto, Keynote und Co. betreibt, aber ich glaube, das Review ist so schon negativ genug. Eigentlich ist es sogar wesentlich negativer als es sein sollte, denn der Umstand, dass ich mein MacBook immer noch habe und darauf kein Windows installiert habe, sollte zeigen, dass ich im Grunde doch zufrieden bin und noch Hoffnung für die nahe Zukunft habe. Allerdings werde ich nie zu einem der Apple-Fans, die ich während der letzten zwei Monate viel stärker wahrgenommen habe. Apple ist für mich immer noch eine Firma, die viel gutes produziert, aber auch manch wirklich miserables zu verantworten hat und ganz sicher bin ich in dieser Hinsicht nicht religiös.

14 thoughts on “Mein Mac, dritter Teil: die Software”

  1. Als Ersatz für Picasa würde ich mal die Beta von Adobe Lightroom (http://labs.adobe.com/technologies/lightroom/) probieren. Seitdem ich das Programm zum Verarbeiten meiner Bilder teste, verschimmelt Picasa bei mir auf der Festplatte. Zugegeben, es wird nach der Beta-Phase nicht mehr kostenlos sein (auch nicht unter Windows) aber ein Blick ist es allemal wert.

  2. Das wäre eine Alternative, ist aber noch Beta und ziemlich buggy. Außerdem: Wenn ich jetzt dazu wechsle, müsste ich aber auch dabei bleiben und so wie ich Adobe kenne, werden die einen Preis ansetzen, der mich schocken wird, obwohl mir deren unverschämte Preispolitik durchaus bekannt ist.

  3. Ohne jetzt klugscheissen zu wollen… Picasa hat nur ein “s” und nicht zwei oder drei… 😉

    Zum Glück gibt es Picasa auch für Linux, da ist mir der kürzliche Umstieg von WinXP auf Ubuntu auch leichter gefallen.

  4. Danke für deinen Erfahrungsbericht. Neben dem interessanten Inhalt finde ich vor allem die sprachliche Darstellung sehr schön. Sehr prägnant, immer das richtige Wort treffend, einfach toll zu lesen, wie immer in diesem Blog. Danke. 🙂

  5. Danke, Phillip, sehr nett von dir. Hoffentlich, weiß das mein Literatur-Prof. ebenfalls zu würdigen, der nächste Woche meine Hausarbeit zu Dürrenmatt lesen wird 😉

    Denny, kann ich mich vielleicht mit der neuen Rechtschreibung rausreden, das klappt doch fast immer 😉

  6. Ich drück dir für die Hausarbeit die Daumen.
    Bezüglich der Rechtschreibung ist die Frage WELCHE neue du meinst 😉 Aber mit irgendeiner der neuen sollte es klappen 😉

  7. Picasa für Linux? Kann man dies evtl. dann auch auf dem Mac einsetzen? Ich stehe gerade vor der Entscheidung, was für eine Software ich auf dem Mac benutzen werde. Bisher war ich (begeisterter) Picasa-Anwender.
    Ein Picasa für Mac wäre ideal.

  8. Ja, Picasa fuktioniert seit neuestem auch auf dem Mac, aber leider nur über den Umweg mit Codeweavers CrossOver Office. Ich hab die kostenlose Beta getestet und es läuft sehr, sehr gut. Es ist kaum zu glauben, aber die Software läuft in der “Emulation” schneller als das native iPhoto.

  9. Danke für die Darstellungen. Vor 4 wochen umgeswitcht, muss/darf ich mich mit IMacs, weißem MacBook und Mac Pro herumschlagen. Ich kann die in allen drei Artikeln genannten Erfahrungen nur bestätigen.
    Die IMacs habe ich gerade naiv reklamiert, weil die Mäuse zu langsam sind. Stellt man sie auf max. Geschwindigkeit, läuft der Mauszeiger auch nicht mehr kontinuierlich.
    Muss man den Maustreiber wirklich extra kaufen???

  10. Ich verwende eine Logitechmaus, für die Logitech glücklicherweise einen Mac-Treiber anbietet, damit kann man die Beschleunigung einstellen. Leider weiß ich nicht, ob der Treiber auch mit anderen Mäusen funktioniert, aber einen Versuch wäre es wohl wert.

  11. hey, ich hab mal ne frage..ich hab ein mac os x und würd gern msn und icq haben.. hab jetzt ein programm gefunden, as hat beides (Adium) aber das gefällt mir nicht… gibt es eins das dem msn und icq auf windows am ähnlichsten ist.. oder allgemein besser als adium??

  12. hallo leute, oben im text steht das adobe photoshop das größte problem ist… ich wollte mir das jetzt für mein mac kaufen.. was ist denn daran problematisch? ich dachte immer das programm wwär so gut um bilder zu bearbeiten… ????

  13. Hi.
    Zuerst mal: Schöner Beitrag.
    Aber hier mal ein kleiner Tipp:

    Du kannst ja auch anstatt Windows richtig (nativ) neben OS X zu installieren, Parallels nutzen. Durch die Virtualisierungstechnik der Core2Duos von Intel läuft es dann als Fenster in Mac OS X und sogar mit nahezu nativer Geschwindigkeit.
    Neuerdings gibt es in Parallels sogar eine Funktion die es möglich macht einzelne Fenster aus Windows DIREKT auf dem OS X Desktop anzeigen zu lassen und dann da damit zu arbeiten. Man sieht also ein Windows Fenster in OS X. Würd ich mir einfach mal angucken, wenn dir Picasa wirklich so fehlt.

    Also bis denn. Und viel Spass noch mit deinem Macbook

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