Shichinin no samurai

Ich habe gerade Akira Kurosawas “Die sieben Samurai” gesehen. Leider war auf der DVD nur die deutsche Synchronisation, über die man lieber den Mantel des Schweigens legen sollte, aber es war gut genug, um zu erkennen, warum der Film zu den bedeutendsten der Kinogeschichte gezählt wird. In Kurz: Einige Bauern machen sich auf, Samurai zu suchen, die ihr Dorf gegen Banditen schützen sollen (A-Team anyone?). Selten haben sich 3,5 Stunden so sehr gelohnt wie in diesem Fall.
Meine Angewohnheit ist es, nach einem Film gleich mal in der IMDB nachzuschauen, was dort wissenswert zu dem Film geschrieben wurde. Zum Beispiel war Kurosawa der erste, der die Wischblende verwendet hat, für die dann George Lucas bei Star Wars berühmt geworden ist. Kurosawa war auch einer der ersten, der die Zeitlupe für Action-Sequenzen verwendet hat und anders als die meisten, die sie heute benutzen (The Fan), wusste er damit auch umzugehen.

Was mich aber massiv an den IMDB-Kommentaren stört, ist das ständige Lammentieren, dass es heute keiner mehr mit solchen Größen aufnehmen könne und alles Neue nur noch Schrott oder Kopie sei. Klar sind Regisseure wie Charly Chaplin, Fritz Lang, Alfred Hitchcock oder Stanley Kubrick grandiose Geschichtenerzähler, die die Grenzen ihres Faches ausgelotet und überschritten haben und ich bewundere sie für ihre Arbeit, aber warum muss man im gleichen Atemzug auch die aktuellen Regisseure abwerten? David Fincher hat mich mit Seven oder Fight Club ebenso mit offenem Mund zurückgelassen, wie Quentin Tarantino mit Pulp Fiction neue Maßstäbe im Story-Telling gesetzt hat. Ang Lees Crouching Tiger, Hidden Dragon bringt eine Eleganz auf die Leinwand, die vorher vielleicht nicht möglich war, zumindest aber nicht erreicht wurde und Jean-Pierre Jeunets Fabelhafte Welt der Amelie hat einen so frischen Stil, dass er eine ganze Generation prägen wird.

Es gibt also gar keinen Grund so schwarz zu malen, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass einige ihre Minderwertigkeitskomplexe verstecken möchten, indem sie andere abwerten. Dann finden sie es ganz toll Schwarz-Weiß-Filme zu sehen, die mehr als 50 jahre alt sind, geben sich geduldig jedem Stummfilm hin und meinen sich so von anderen absetzen zu müssen, die ja nur neumodischen Schund konsumieren und gar nicht in der Lage sind, zu erkennen, wie mies das doch alles ist.

/rant

One thought on “Shichinin no samurai”

  1. ‘dass es heute keiner mehr mit solchen Größen aufnehmen könne und alles Neue nur noch Schrott oder Kopie sei.’

    Ich vermute dabei handelt es sich eher um ein Warnehmungsproblem. Auf die Filme die heute groß in den Medien beworben werden und so im Bewustsein der ‘Kritiker’ landen trifft obiges auch häufig zu. Die ‘großen’ Filme sind, von einigen Außnahmen abgesehen, die x-te Fortsetzung eines einmal erfolgreichen Filmes oder der hundertste Aufguss des selben Themas. Was vermutlich einfach daran liegt, dass damit am einfachsten Geld verdient werden kann.

    Aber ansonsten gehe ich absolut Dacord es gibt weiterhin wirklich ‘gute’ Filme und ihre Anzahl ist meiner Meinung nach auch nicht geringer geworden. Sie gehen bloß hin und wieder im Mainstream unter. (Eigentlich Schade…)

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