Filme, die mir wichtig sind

Ich bin grad über diesen Thread gestolpert und selbst ins Grübeln gekommen. Hier die Ergebnisse, in keiner besonderen Reihenfolge, da alle auf ihren eigene Art wichtig sind:

Fight Club
Gesellschaftskritik, auf die Spitze getrieben, aber ohne eine einfache Lösung anzubieten. Besonders folgendes Zitat ist ein Volltreffer (und ausgerechnet von Brad Pitt), dafür muss man Fincher einfach lieben:

Eine ganze Generation zapft Benzin, räumt Tische ab und schuftet als Schreibtischsklaven. Durch die Werbung sind wir heiß auf Klamotten und Autos, machen dann Jobs die wir hassen und kaufen dann Scheiße die wir nicht brauchen. Wir sind die Zweitgeborenen dieser Geschichte, Leute. Männer ohne Zweck, ohne Ziel. Wir haben keinen großen Krieg, keine große Depression. Unser großer Krieg ist ein Spiritueller. Unsere große Depression ist unser Leben. Wir wurden durch das Fernsehen in dem Glauben aufgezogen, dass wir alle mal Millionäre werden, Filmgötter, Rockstars. Werden wir aber nicht, und das wird uns langsam klar! Und wir sind kurz, ganz kurz vorm Ausrasten.

The Rear Window (wir berichteten ;))
Wer ist hier der Voyeur? Dieser Film (eigentlich sind es ja mehrere Filme) ist so geschickt komponiert, dass man nur den Hut ziehen kann vor dem genialen Alfred Hitchcock – mein Lieblingsregisseur. Es gibt wohl keine Einstellung, über die der Perfektionist nicht stundenlang gebrütet hat. Wir haben uns das halbe Filmseminar nur mit den ersten zwei Minuten beschäftigt und sind noch nicht mal fertig geworden. Einer wie Hitchcock ist einmalig, jemand der die Grenzen des Machbaren sprengt und in seinem Metier seinen Mitstreitern um Jahre voraus ist (siehe z. B. MacGuffin, Suspense). Einmal wurde Hitchcock vorgeworfen, er hätte gesagt, dass Schauspieler Vieh seien. Darauf antwortete er:

Ich habe nie behauptet, dass Schauspieler Vieh sind, nur dass man sie wie Vieh behandeln muss.

Billy Elliot
Billy Elliot gehört zu den Filmen, die man eigentlich gar nicht beschreiben kann. Man weiß nur, das der Autor ein Kind der gezeigten Zeit sein muss. Er ist so eindringlich, so authentisch, wie ein englischer Film nur sein kann. Vielleicht liegt’s auch an meiner Schwäche für das englische Kino, aber die Beschreibung eines Vater, der den einen Sohn verraten muss, damit der andere nicht sein Schicksal teilen muss, gehört für mich emotional zum besten, was die Insel je abgeliefert hat – nur die letzten drei Minuten hätte man sich echt schenken können, fast wie ein Zugeständnis an Hollywood.

M – Eine Stadt sucht einen Mörder
Der vielleicht bedeutendste deutsche Film. Was Fritz Lang hier 1931 abliefert ist phänomenal. Die Darstellung des Täters (ausgerechnet ein Kindermörder) als Opfer hat etwas zutiefst verstörendes, dann die subtilen Vergleiche zwischen Polizei und Unterwelt, Massenhysterie und der Einfluss der Medien, das Spiel mit dem Ton (in Langs erstem Tonfilm). Mit Fritz Lang hat Deutschland einen wirklich großen an den Nationalsozialismus verloren (Lang, eigentlich Österreicher musste auswandern und wurde auch in den USA nicht in Ruhe gelassen, die nicht an schwarzen Opfern und Kritik am Rassismus im Kino interessiert waren).

The Sixth Sense
Was mich genau an diesem Film so fasziniert, dass ich ihn 21 Mal gesehen habe, kann ich gar nicht sagen. Vielleicht ist es die unglaubliche Handwerkliche Leistung des Regisseurs M. Night Shyamalan, der die wahrscheinlich beste Auflösung der Filmgeschichte geliefert hat. Vielleicht ist es das brillante Spiel des jungen Haley Joel Osment. Vielleicht aber auch die Botschaft, die wegen des Suspense nur sehr subtil rüberkommt. Jedenfalls ist jede Szene so perfekt aufgebaut, dass man den Film getrost als Vorlage für eigene Werke nehmen kann, kein Wunder bei dem Vorbild des Regisseurs: Hitchcock.

Heaven
Ein Film im eigentlichen Wortsinne. Fast nonverbal, ein sehr, sehr langsamer Film. Tom Tykwer schafft es damit, Emotionen zu zeigen, die so eindringlich sind, dass sie nur aus den Augen der Darsteller gelesen werden können. Der Film liefert gesprochene Sprache nur dosiert, sie hat eine ganz spezielle Funktion, alles andere wird in fantastisch komponierten Einstellungen ausgedrückt, besser als es Worte je könnten. Die Bildersprache vom Tom Tykwer ist schon von jeher sehr eindrucksvoll (z. B. Lola rennt), hier findet sie ihren Höhepunkt.

Die fabelhafte Welt der Amélie
Das ist modernes Kino. Hier werden zum ersten Mal die vielen visuellen Mittel, die der vorletzten Generation der Regisseure nicht zur Verfügung standen und von der letzten Generation nur sinnlos verschwendet wurden, endlich einmal so eingesetzt, dass sie die Bildersprache des Kinos erweitern. Augenblicke werden fassbar gemacht, Gefühle sichtbar.

4 thoughts on “Filme, die mir wichtig sind”

  1. “Fight Club” gehört mit “American Beauty” zu meinen absoluten Favoriten des Kinofilms. Bin selten so perplex nach der Vorstellung ausm Kino gegangen. Ohne solche Filme wird man mit der modernen Informationsgesllschaft eh nicht fertig…

  2. American Beauty hätte ich noch aufführen können. Die Szene mit der Tüte mag kitschig rüberkommen, aber wenn ich mir vorstelle, wie der Autor auf die Idee gekommen sein könnte, bekomme ich Gänsehaut. Generell mag ich sehr vieles, in dem Kevin Spacey mitspielt (z.B. Se7en, die üblichen Verdächtigen).

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