Nachholbedarf…

…hab ich hier auf jeden Fall. Zunächst einmal eine Rekapitulation der Cebit: Ich weiß noch nicht, ob alles öffentlich ist, deswegen werde ich nichts weiter über die Awards erzählen, die Axel Hecht abgeräumt hat, aber die Cebit hat sich für uns in jedem Fall gelohnt, auch wenn wir dieses Jahr nicht mit einem eigenen Stand vertreten waren. Ich für meinen Teil, war -wie im letzten Beitrag geschrieben- letzten Freitag dort und habe an der Preisverleihung der CHIP Cebit Highlights teilgenommen. Der Award an sich ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, macht sich aber sicher gut im Mozilla Europe Büro in Paris.
Die Veranstaltung wurde moderiert vom Chefredakteur der Chip und der ARD-Moderatorin Ursula Heller. Da sie so nett war und sich später auch bei mir entschuldigt hat, hoffe ich, dass die Peinlichkeit auf der Bühne vergessen bleibt. Übrigens bilde ich mir ein, dass der Applaus für den Firefox am lautesten war, obwohl ich dort leider ganz alleine saß :-/. Nach der Verleihung hat mir auch eine andere Gewinnerin des Preises verraten, dass sie den Firefox nutzt, was ich ausgerechnet von ihr nun wirklich nicht erwartet hätte. Besonders schön war allerdings, dass der Firefox als beste Software ausgezeichnet wurde, so ganz ohne Open Source Bonus. Das sollten gewisse Journalisten zur Kenntniss nehmen, die meinen es ginge nur darum, einem bestimmten Unternehmen eins auszuwischen.

Zwischennotitz: Falls es dem ein oder anderen entgangen sein sollte: So ganz nebenbei haben wir inzwischen über 20% Marktanteil in Deutschland erreicht. Da ich Latein Französisch vorgezogen habe, habe ich zwar nicht die geringste Ahnung, wie XiTi das gemessen hat (es war allerdings wohl ein Sonntag), aber das war die beste Nachricht der Woche. Wenn das mal kein Argument ist, endlich alle Seiten auch dem Firefox zugänglich zu machen, oder möchte etwa irgendjemand einfach auf 1/5 aller deutschen Internetuser verzichten? Na also 😉

Einen Tag nach der CEBIT (und um € 225 für eine Nacht im Hotel ärmer, das sonst nur €80 haben will), bin ich für eine zweitägige Exkursion nach Weimar gefahren. Die Stadt Goethes und Schillers, Wagners und Bachs, Herders und Schopenhauers, u.v.a ist 1993 nicht umsonst Kulturhauptstadt Europas geworden, Egon Erwin Kischs Ausspruch

Die Museen – hier ist jedes Haus ein Museum oder ein Gedenkhaus – sind nur die Pavillons des großen Museums, das Weimar heißt.

kann ich nur bestätigen. Umso betrüblicher ist, wie stark vernachlässigt manche Teile der einst so großen Stadt wirken. Man sieht zudem noch deutlich die Handschrift der Ideologie, für die die Stadt 40 Jahre herhalten musste. Nichtsdestotrotz bleibt der Besuch der Stadt Pflicht für jeden, der Geschichte erleben möchte. Einmal durch Goethes Wohnhaus streifen, sich über manch eine Skulptur wundern, über die riesige Privatbibliothek staunen, dann Schillers viel schlichtere Behausung erkunden, das geht nur in Weimar

Am Sonntag Abend kurz vor der Abfahrt haben wir uns sehr kurzfrisitig entschieden, uns das nahegelegene Konzentrationslager Buchenwald anzuschauen, als Kinder des Ruhrgebiets hatten wir bisher noch kein KZ von innen gesehen, da das Gebiet hier immer schon KZ-frei war, und wollten die Gelegenheit nutzen, denn auch diese Ideologie gehört untrennbar zu Weimar. In den vergangenen Tagen hatte es ordentlich geschneit und das Wetter war immer noch recht kalt, so dass die gesamte Anlage unter einer etwa 20 cm dicken Schneedecke begraben lag; es war einfach unheimlich, wie friedlich es so aussah, völig unberrührt und komplett weiß. Dabei strahlt schon das Eingangstor blanken Hohn aus. “JEDEM DAS SEINE” kann man auf der metallenen Pforte lesen. In der Anlage selbst gibt es eine Ausstellung, die die Katastrophe mitten in Europa von den Anfängen bis zum Ende dokumentiert. Gerade die Beschreibung der Anfänge lässt einen erschrecken, wenn man sich die Gegenwart bewusst macht. Geschichte wiederholt sich heißt es, jedenfalls hat sie es bisher, mir persönlich bleibt wohl nichts anderes, als aufs Gegenteil zu hoffen.

4 thoughts on “Nachholbedarf…”

  1. “Da sie so nett war und sich später auch bei mir entschuldigt hat, hoffe ich, dass die Peinlichkeit auf der Bühne vergessen bleibt.”

    Was denn für eine Peinlichkeit?

  2. aber schön neugierig machen, ja danke.
    Wer war den die andere Gewinnerin, die wider Erwarten den Firefox benutzt?

  3. Gratuliere nochmal nachträglich! Ich gratuliere dir natürlich und auch uns allen, dass wir so nen tollen Browser entwickeln und nutzen. 🙂

    Schade, dass Hannover so weit weg ist. Wäre dieses Jahr wirklich gerne zur Cebit gekommen. Naja, wenigstens die Hotels verdienen sich an der Cebit dumm und dämlich. 225 Euro statt 80 ist aber schon verschärft!

    Und neugierig auf die Peinlichkeit wäre ich natürlich auch… gibts Fotos von der Preisverleihung?

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