IE 7

Okay, Microsoft will also eine neue Version des inzwischen mehrere Jahre alten IEs herausbringen. Ich frage mich: Was ist denn so toll an dieser Meldung? Irgendwann wird es also einen neuen IE geben und die erste Beta- (oder Alpha-) Version dieses Browsers wird wahrscheinlich in diesem Sommer erscheinen, allerdings auch nur für Windows XP mit Service Pack 2. Im Grund sagt Microsoft damit doch nur, dass der IE nicht tot ist.

Aber halt: Ist das nicht die selbe Masche, die Microsoft schon seit den Anfängen seiner Gründung anwendet? Wenn es einen Konkurrenten gibt, der irgendwie gefährlich werden könnte, wird zunächst einmal ein eigenes Produkt ganz groß angekündigt, damit die Kunden sich erst einmal nicht von Microsoft abwenden. Vor mehr als zwanzig Jahren hat Microsoft diesen Trick sehr erfolgreich angewendet, um Apples neuen Macintosh vom Markt zu halten. Sie haben einfach angefangen das neue Betriebssystem, Windows, anzukündigen, obwohl es noch nicht mal ansatzweise fertig war. Der Produktstart wurde dann immer weiter verschoben, bis es schließlich, Jahre später, als Windows 1.0 veröffentlicht wurde: eine billige Oberfläche, aufgeproft auf einen schon damals veralteten DOS-Untersatz, im Grunde sogar als erster Versuch völlig unbrauchbar; technisch gesehen hinkte Microsoft damit Jahre hinter Apple zurück und auch die Versprechen, die die Ankündigungen begleiteten, wurden größtenteils nicht eingehalten. Das selbe Vorgehen übrigens mit Dr.Dos und OS/2.

In unserem Fall ist das momentan vielleicht wichtigste Argument gegen den IE die Sicherheit. Der Kunde soll jetzt also merken, dass sich da etwas bei Microsoft bewegt, und er nicht zu einem Mitbewerber wechseln muss, um diese Sicherheit zu bekommen. Natürlich wird Microsoft seinen Browser nicht in diesem Sommer ausliefern, aber zumindest haben sie jetzt etwas, das sie ihren Kunden vorzeigen können: “Wir arbeiten bereits daran, es dauert nicht mehr lange und es wird auf jeden Fall besser als dieser andere Browser, zu dem ihr vielleicht wechseln wollt“. FearUncertaintyDoubt, dieses Spiel beherrscht Microsoft wie vielleicht kein anderes Unternehmen.

Wenigstens haben sie hier keine Chance, das selbe wie mit SGI durchzuziehen (eine wirklich selbst für Microsoft üble Nummer), und: Einen Featurekampf wird es nicht mehr geben. Die vielleicht beste Entscheidung Mozillas, auf Erweiterungen zu setzen, nimmt diesem Argument allen Wind aus den Segeln. Inzwischen gibt es weit über 200 Erweiterungen für den Firefox, mit denen ich mir meinen Wunschbrowser zusammenstellen kann. Der IE erhält ein neues Feature, das der Firefox noch nicht hat? In ein paar Tagen gibt’s eine Erweiterung dafür, der normale User interessiert sich ohnehin nicht für Features, viele wissen noch nicht einmal, wofür Lesezeichen gut sind.

Diese Ankündigung einer Betaversion für den Sommer ist also wieder einmal nichts als heiße Luft, und: Sie stinkt!

Ich muss mich ein wenig korrigieren: Es gibt anscheinend bereits über 500(!) Erweiterungen für den Firefox.

5 thoughts on “IE 7”

  1. Ebendie Features machen mir Sorge.
    Es ist müssig,auf über x Erweiterungen
    hinzuweisen.
    Das ist eines der großen,aber auch eines der “angreifbaren” Vorteile.
    Ich hoffe zuversichtlich,daß die
    “Community” dem einen sinnvollen und wirksamen Riegel vorschieben kann.
    Meine Aufmerksamkeit und ggf. auch
    Unterstützung könnt ihr gewiß sein.
    P.

  2. Einen Featurekampf gab es schon einmal während der Browserkriege und es war für keinen von Vorteil. Weil jeder Browserhersteller noch mehr Funktionen als die Konkurrenz bieten wollte, sind die Browser angeschwollen, wurde Nicht-Standard HTML eingeführt und die Qualität der Software blieb auf der Strecke. Nun ist es ja so, dass der Durchschnittsuser gar nichts von all den tollen Features wissen will. Niemand ist auf Mozilla umgestiegen, weil er so tolle Features hatte (die Tabs hatte der übrigens schon vor Opera), sondern sie sind auf den Firefox umgestiegen, weil er einfach das tut, was sie wollen und ihnen beim Surfen nicht im Weg steht. Mit Features muss Firefox nicht mehr protzen, die kann jeder, der sich dafür interessiert, mit einem Klick nachladen. Jetzt zählt die Sicherheit des Browsers und das wird richtig interessant.

  3. Pingback: !Unmovèd
  4. Pingback: Philipp's Blog
  5. Für mich war einer der Hauptgründe, zu Firefox zu wechseln, der, dass er ein OpenSource Browser ist, welcher im OpenSource bereich eigentlich kaum konkurenz hat.

    Ich bin es leid, beim Umgang mit dem Computer, welches meine Tägliche Arbeit im Geschäfts- und Privatleben ist, immer nur von EINEM Softwareunternehmen abhängig zu sein, und denen immer mehr Kohle in den “Hintern” schieben zu müssen, um nicht ins Illegale abzurutschen.

    Allerdings sehe ich dem IE 7 auch mit großem Interesse entgegen, da ich Ihn zum Testem meiner Websites einfach BRAUCHE.
    Zudem bin ich einfach nur gespannt, wie MS den IE7 umsetzt und welche “Sicherheitsrelevanten” änderungen er haben wird.

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