Journalisten/Redakteure

Ich bekomme (gerade in letzter Zeit) häufig E-Mails von Redakteuren, die den Firefox gerne auf CD pressen würden und deswegen bei mir um Erlaubnis fragen. Daran habe ich mich gewöhnt und die Faxkosten halten sich zum Glück in Grenzen. Was mich aber immer wieder verwundert ist, dass ich Verträge unterschreiben soll, in denen ich versichern muss, dass ich alle Rechte an dem Programm besitze. Bisher hatte ich ja immer angenommen, dass die Erlaubnis nur pro Forma verlangt wird, aber wenn mir solche Verträge zugeschickt werden, muss ich doch davon ausgehen, dass den Redakteuren überhaupt nicht bewusst ist, was freie Software ist. Anscheinend lesen selbst Journalisten nicht die Lizenzvereinbarungen der Software und wissen deshalb auch nicht, welchen Bestimmungen sie da eigentlich zustimmen. Schade eigentlich. So bemerken sie gar nicht, dass sie die Software nicht nur nutzen dürfen, sondern dass sie sie sogar an ihre eigenen Bedürfnisse anpassen (z.B. Startseite auf die Verlagsseite legen) und dann auch noch kopieren und weitergeben dürfen. Und das alles, ohne irgendjemanden um Erlaubnis zu fragen, ohne ihm überhaupt deswegen Bescheid sagen zu müssen.

Leider entgeht diesen Redakteuren auch, dass über die Jahre eine Bewegung entstanden ist, die mit der traditionellen Art der Softwareentwicklung nichts mehr zu tun hat. Deswegen muss ich in den Fragebögen auch immer noch ankreuzen, dass der Firefox Freeware ist, wohlwissend, dass Freeware mitnichten freie Software ist. Obwohl also das Potential dieser neuen Art jeden Tag in Tausenden von Projekten aufs neue bewiesen wird, ist die Botschaft offensichtlich noch nicht einmal bei den Multiplikatoren der Gesellschaft angekommen. Überall liest man, wie toll der Firefox ist, aber kaum einer schreibt, dass die Software von Hunderten Entwicklern weltweit programmiert und von Tausenden anderer Freiwilliger gestestet wird, dass diese sich dem freien Zugang zu Informationen (zum Internet) verpflichtet fühlen, dass diese ohne jeglichen kommerziellen Druck und ohne kommerzielle Absichten die Grundlage für unsere Informationsgesellschaft schaffen. Was zählt ist offensichtlich immer noch nur das Produkt und nicht wie oder warum es hergestellt wird. Dabei wäre gerade diese Frage die entscheidende, die wichtige.
Es scheint als ob noch ein langer Weg vor den Repräsentanten dieser neuen Technik liegt, der steiniger ist als zumindest ich angenommen hatte. Allerdings vergeht gerade in unserer Branche die Zeit sehr schnell und was heute noch unbekannt ist, kann morgen bereits den Ton angeben und die Richtung weisen (siehe Google). Ich jedenfalls blicke immer noch optimistisch in die Zukunft und harre gespannt der Dinge, die da noch kommen mögen.

Ein Nachtrag aus gegebenem Anlass:
Es geht mir nicht um den offenen Quellcode, sondern um die Philosophie, die hinter freier Software steckt. Sie unterscheidet sich radikal von der bisherigen Art Programme zu entwickeln. Gerade bei einem Browser ist die Kraft, die hinter der Programmierung steht von enormer Bedeutung. Der Browser bestimmt wie wir eines der wichtigsten Medien unserer Zeit (und das wichtigste in Zukunft) sehen und auch was wir davon sehen. Dieses Programm ist das Fenster zu einer globalen Plattform. Als klar denkender Mensch kann ich diese enorme Macht nicht einem Konzern in die Hände geben, der längst supranational und unabhängig von einzelnen Staaten agiert. Dies ist die Motivation vieler Entwickler von freier Software und gerade bei unserem Projekt ist das der stärkste Antrieb. Die Menschen sind nicht samt und sonders blöde. Hier geht’s nicht um offenen Quelltext, sondern um das wichtigste: Die Freiheit. Es geht um freien Zugang zu Informationen, ein entscheidendes Gut unserer Zeit.

10 thoughts on “Journalisten/Redakteure”

  1. Ich würde das ganze Freeware/Open-Source Debakel nicht so ernst nehmen. Sicherlich ist es schön am Browser rumbasteln zu können, aber soetwas interessiert den Emdverbraucher kaum. Sie wollen kostenlose & gute Software und das ist Open-Source nunmal. 😉

    Wer den Quellcode braucht wird schon von alleine darauf kommen.

    mfG

  2. Ich glaube, ich habe mich ein wenig unklar ausgedrückt (ist ja ausch schon spät 😉
    Der Nachtrag bringt meinen Punkt jetzt besser rüber.

  3. Hallo!
    Danke für Deine Worte, Du hast mir aus der Seele gesprochen. Ich sehe es genauso und versuche manchmal verzweifelt in Foren, den Leuten das genauso klarzumachen.
    Es geht eben nicht einfach um einen neuen Browser, der bestimmt noch seine Macken hat(aber nicht mehr viele ;)), sondern um eine grundsätzliche Entscheidung. Wenn man die einmal getroffen hat, kann man auch viel besser damit leben, daß eben noch nicht alles 100%ig läuft.

    Diese globale Einsicht vermisse ich oft bei denen, die in Foren sich an Kleinigkeiten hochziehen und dabei den Kern der Sache aus den Augen verlieren.

    Es war bei mir persönlich auch länger gedauert, bis ich es kapiert hatte (Bequemlichkeit und Ignoranz meinerseits), aber jetzt ist das Gefühl umso besser und ich bereue es , nicht schon seit Phoenix 0.5 dabei gewesen zu sein.

    Schönes Wochenende und Danke nochmals

    Tombik

  4. “Deswegen muss ich in den Fragebögen auch immer noch ankreuzen, dass der Firefox Freeware ist, wohlwissend, dass Freeware mitnichten freie Software ist.”

    Mach doch noch ein weiteres Kästchen dazu 😉
    Vielleicht denkt dann mal jemand darüber nach …

  5. Ich versuche lieber, den Sachverhalt ausführlich in einer Antwortmail zu schildern. Trotzdem muss ich dann Freeware ankreutzen. Noch.

  6. Für die Freiheit einzustehen ist gerade in diesen Tagen notwendiger denn je, in allen Bereichen. Bin doch etwas resigniert. Fürchte, daß die Sicherheitsideologie letzlich doch die verletzliche Freiheit niederwalzen wird.
    Gruß
    rabenvogel

  7. Ob es wirklich eine gute Idee ist, einem Redakteur Firefox in die Hand zu drücken, wenn er sich so wenig darüber informiert hat…

  8. @Abdulkadir:
    Ein ganz hervorragendes Statement!!!
    Das entspricht voll und ganz meiner Einstellung.

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