Fair oder nicht?

Schade, dass Heise diese Meldung so falsch verstanden hat. Es hört sich fast so an, als ob Mozilla bei den Linuxdistributoren betteln müsste, um in deren Distributionen zu landen und nicht der Bedeutungslosigkeit anheim zu fallen. So erklären sich dann auch die vielen abwertenden Kommentaren in deren Forum.

Vielen ist anscheinend gar nicht bewusst, was mozilla.org schon alles geleistet hat. Nur, um mal kurz zu rekapitulieren: Innerhalb von vier Jahren wurde eine komplette Suite von Grund auf neu geschrieben. Dieses Suite beinhaltet einen Mailclient, einen Newsreader, einen grundlegenden WYSIWYG-HTML-Editor, einen Chatclient und einen Browser. Dabei das wichtigste: Alles ist Crossplatform programmiert. Die gesamte Suite läuft unter 15(!) verschiedenen Betriebssystem und sieht überall gleich aus.

Es gibt keinen anderen Browser, der das leistet. Das ist ein riesiger Vorteil des Mozilla. Denn ein Betriebssystem ohne brauchbaren Browser ist heutzutage nur schwer zu vermitteln. Wie jeder Betriebssystemhersteller hat auch IBM das erkannt und bemerkt, dass es gar nicht so leicht ist, einen funktionierenden Browser zu entwickeln und bietet -genauso wie SGI das für ihr IRIX macht- eigens kompilierte Mozilla Version für ihre Betriebssysteme AIX und OS/2 an. Auch Hps HPUX und Suns Solaris wären ohne Mozilla ganz schön aufgeschmissen, ganz zu schweigen von den ganzen BSD-Derivaten. Das wissen auch Betriebssystemhersteller wie HP, IBM oder Sun. Deswegen stellen auch all diese Anbieter eigene Entwickler ab, die sich aktiv an der Mozilla-Entwicklung beteiligen.

Obwohl alleine schon ein Browser, der auf so vielen Plattformen läuft eine respektable Leistung darstellt, hat es mozilla.org mit XUL geschafft auch noch ein komplettes Crossplatform-Framework zu entwickeln. Wer sich ein Bild davon machen möchte, sollte einen Blick auf den Mozilla-Amazon-Browser werfen. Es ist erstaunlich, wenn man bedenkt, dass diese Anwendung in XUL geschrieben unter 15 Betriebssystemen läuft. Dieselbe Grundlage benutzen übrigens auch Programmierer, um die über 140 Erweiterungen für den Firefox anzubieten.

Das ist aber noch nicht alles (ich hör mich ja schon an wie ein QVC-Verkäufer ;-): So ganz nebenbei entstanden nämlich auch solche Produkte wie der MozillaTranslator oder Bugzilla, welches heute von Regierungsorganisationen genauso genutzt wird wie von IBM vom MIT oder SuSE.

Man darf aber auch nicht vergessen, dass mozilla.org gerade sehr große Umbrüche erlebt. Innerhalb eines Jahres wurden mit Firefox und Thunderbird zwei neue Projekte gestartet, mit AOL der größte Unterstützer und mit Netscape der größte Vertreiber verloren. Als Folge wurde ein großer Teil der Mozilla-Entwickler arbeitslos oder musste sich anderen Projekten zuwenden und die Reorganisation der Stiftung hat natürlich viel Zeit verschlungen.

Meiner Meinung nach sieht die Zukunft für mozilla.org alles andere als schlecht aus und das große Interesse an den neuen Produkten Firefox/Thunderbird zeigt: Es zahlt sich endlich aus, was über Jahre an Grundlagenarbeit für den Mozilla geleistet wurde.Mit Longhorn erwartet Mozilla.org eine große Herausforderung, aber es bleiben noch mindesten zwei Jahre, um sich darauf vorzubereiten, zwei Jahre, um den technologischen Vorsprung auszubauen und die Nutzerzahlen zu steigern.

Innerhalb von zwei Jahren kann im Internet sehr viel passieren. Es sieht so aus, als ob Mozila.org davon profitieren könnte. Spätestens mit Longhorn kommt die Entscheidung. Spätestens dann werden wir wissen, ob die Zeit sinnvol genutzt wurde. Ich bin zuversichtlich.