MyDoom

Wer in den letzten Tagen Fernseher, Radio oder Zeitung benutzt hat, wird sie mitbekommen haben: Die Nachrichten über den MyDoom-Virus. Es ist deprimierend und enttäuschend wie völlig falsch und irreführend die Berichterstattung quer durch alle Medien ist. Natürlich erkenne ich das bei diesem Thema, weil ich selbst großes Interesse dafür aufbringe, aber wie ist das denn bei anderen Nachrichten? Wenn die ähnlich miserabel recherchiert sind, würde ich das ja nicht mal merken. Was mag sich ein Politologe denken, wenn über internationale Beziehungen berichtet wird oder einPhysiker, der die, Mars-Berichterstattung über sich ergehen lassen muss.

Ich hab mich jedenfalls furchtbar geärgert: Mein Lateindozent meinte in der letzten Sitzung, er hätte keine E-Mails von uns beantworten können, weil er wegen des gerade grassierenden Virusses seinen Computer seit zwei Tagen nicht mehr eingeschaltet habe. Er hatte Angst, dass der Virus seinen PC beschädigen könnte!

In den Nachrichten konnte man die gesamte letzte Woche über hören, dass der Wurm das halbe Internet lahmgelegt hätte. Er versende außerdem “innerhalb von 30 Sekunden rund 100 E-Mails an Adressen im E-Mail-Verzeichnis”. Bei dem Angriff auf die Firma SCO, die laut Zeitung übrigens die UNIX-Patente besitzt, würde diese mit einer Schar sinnloser E-Mails bombardiert werden. Nachher hieß es, man würde sich den Virus schon installieren, wenn man sich bloß den Haupttext ansehe. Als dann Microsoft mit dem zweiten Wurm auch betroffen war, war SCO ganz plötzlich vergessen und die Linux-Fans wollten jetzt Microsoft schaden. Dass diese Variante sich nahezu gar nicht verbreitet hat, ist uninteressant, da Microsoft weit bekannt und somit deutlich medienwirksamer ist als SCO. Heute habe ich im Radio gar von 30 Milliarden € Schaden gehört, den dieser Wurm bereits jetzt angerichtet haben soll!
Ich könnte noch lange so weitermachen, der Punkt aber ist, dass ich den unbedarften Dozenten verstehen kann, der Angst hat seinen Rechner zu starten. Bei solchen Nachrichten wird eine panische Reaktion ja geradezu provoziert. Ich musste viel Geduld aufbringen um diesen Dozenten davon zu überzeugen, dass er sich keine Sorgen machen muss, wenn er keine Mail-Anhänge öffnet und dass er sich noch viel weniger Sorgen machen muss, wenn er kein Outlook verwendet.